12. Aschermittwoch der Künste

Foto: Dagmar Tille

am 19. Februar 2010, von Lutz Wiedemann

Der diesjährige 12. Aschermittwoch der Künste fand am 17. Februar 2010 in Nienburg in der St. Martinskirche statt. Das Publikum fand sich um 11:30 Uhr auf dem Kirchplatz um die Kirche ein. Nach einer kurzen Ansprache stimmten allmählich Klänge von Blasinstrumenten, gespielt von Andreas Burckhardt (Saxophon), Noriyoshi Murakami (Tuba) und Hans Wendt (Posaune), den Platz und sein Umfeld ein. Die Performance "Grundwege" der Formation "Transito" bezog den Kirchplatz und sein Umfeld ein. Der Kirchenraum wurde Kulisse und der Kirchplatz zur Bühne. Ursula Wagner umspielte mit ihrer Tanzperformance das ganze Kirchenschiff von außen. Das Publikum folgte, von der Musik der Bläser geleitet, der Performance zu den einzelnen Stationen. Die Musik begleitete den Tanz von Ursula Wagner musikalisch brillant und bildete einen Klangraum. Schön und eindrucksvoll war es, zu erleben, wie Frau Wagner die Proportionen der Kirche mit denen des eigenen Körpers in Beziehung setzte und durch ihre Bewegung um die Kirche herum die Topologie des Kirchen- und Stadtraums sicht- und erfahrbar machte, um die Besucher am Ende vom Außenraum ins Innere der Kirche zu geleiten.

In der Kirche befinden sich zwei Installationen: Die erste "unsettled conditions #2" von Ina Raschke: Es handelt sich um eine in den Gewölben installierte Arbeit aus Klebestreifen. Diese warten an der Kirchendecke auf "die kleinen Dinge des Lebens" – auf den Staub, der an der klebrigen Seite der Klebestreifen haften bleiben soll.

Die zweite Installation "Geborgene Räume" von Henning Diers besteht aus luftgetrockneten Ziegelsteinen, in die an der Unterseite ein Modell der Kirche St. Martin geprägt wurde. Sie wurden im Kirchenraum als "Mittler der Zeiträume" an zwei Stellen um den Altar herum und rechts und links im Eingangsbereich des Kircheninnenraums angeordnet. "Diese Linien erschaffen eine neue und vermeintlich gleichzeitig alte Räumlichkeit, sie definieren somit die Bedeutung von Kirche als etwas Unabhängiges von Raumaltar und Raumgröße", so der Künstler.

Nach der Begrüßung durch die Pastorin von St. Martin, Frau Henrike Müller, sprach die Beauftragte für Kunst und Kultur des Hauses kirchlicher Dienste, Frau Dr. Julia Helmke, und erläuterte nochmals das diesjährige Thema des Aschermittwochs der Künste: Die Frage nach dem Verständnis der heutigen Kirche als Kirchenraum im Sinne einer Heteropie (M. Foucault): also als Raum der gleichzeitig tatsächlicher Ort und geistiger Raum (Utopie) ist.

Beim anschließenden Künstlergespräch konnten Fragen gestellt oder Meinungen geäußert werden. Abschließend fand ein Essen im Kirchenraum statt, das symbolisch die Fastenzeit bis Ostern einleitete.

Die Installationen werden noch einige Zeit in St. Martin zu sehen sein.